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Tarotgeschichte · Quellen und Belege

Das Sola-Busca-Tarot: Ein vollständiges Renaissance-Deck mit einer Einschränkung zum Datum

Veröffentlicht am 11. Oktober 2026 · TarotCards24

Das Sola-Busca-Tarot ist aus zwei Gründen ungewöhnlich: Es ist als vollständiges Deck mit 78 Karten erhalten, und seine Trumpfkarten zeigen benannte Figuren aus der römischen Geschichte. Das Metropolitan Museum of Art bezeichnet es als ältestes bekanntes vollständiges Tarot dieser Größe. Der Eintrag des British Museum zu verwandten Drucken verbindet den Satz mit dem illuminierten Deck, das heute in der Pinacoteca di Brera aufbewahrt wird.

Häufig wird das Deck auf 1491 datiert, doch die Lesung verdient einen Vorbehalt. Das British Museum erklärt, dass eine Inschrift auf Karte XIV als Datum für 1491 gelesen werden kann – weniger wahrscheinlich auch als 1523. „Um 1491“ ist deshalb genauer, als das Jahr als zweifelsfrei feststehend darzustellen.

Ein Renaissance-Deck mit historischen Namen

Anders als die vertraute Folge der Großen Arkana, die überwiegend von allgemeinen Allegorien geprägt ist, zeigen die Trümpfe des Sola-Busca-Tarots Figuren, die mit der antiken römischen Geschichte verbunden werden. Das Deck besitzt die grundlegende Struktur aus 22 Trümpfen und 56 Farbkarten, die vielen Lesern bekannt ist, entwickelt mit seinen Bildern aber eine eigene Erzählwelt.

Das macht das Deck nicht zu einem einfachen illustrierten Lehrbuch der römischen Geschichte. Die Identifizierung einzelner Figuren und ihre Verbindung mit historischen Personen sind kunsthistorische Deutungen, die sich auf Objekte und Inschriften stützen müssen. Die Karten laden zum Vergleich ein, erklären ihre Symbolik aber nicht immer selbst.

Warum die Vollständigkeit wichtig ist

Viele frühe Decks sind nur teilweise erhalten. Ein vollständiger Satz ermöglicht es, Trümpfe, Hof- und Farbkarten gemeinsam zu untersuchen, statt das Ganze aus verstreuten Fragmenten zu rekonstruieren. Das Sola-Busca-Tarot ist daher ein wertvoller Vergleichspunkt für andere Decks der Renaissance und spätere Tarottraditionen.

„Vollständig“ bedeutet jedoch nicht „unverändert“ oder „allgemeingültig“. Das erhaltene Objekt zeigt, was ein Hersteller geschaffen hat; es beweist nicht, dass alle früheren oder späteren Decks dieselbe Folge oder dieselben Bedeutungen hatten.

Ein vorsichtiger Blick auf das Vermächtnis

Historisch bedeutsam ist das Sola-Busca-Tarot, weil es ein vollständiges Renaissance-Deck mit ungewöhnlich konkreter Bildsprache bewahrt. Die Datierung bleibt eine Interpretation der Inschrift; auch die erzählerischen Bezüge sind Gegenstand kunsthistorischer Forschung. Die angemessene Schlussfolgerung ist zugleich zurückhaltend und bemerkenswert: Spätestens im späten 15. Jahrhundert gab es mindestens ein vollständiges Tarot, dessen Trumpffolge eine bildreiche Welt jenseits allgemeiner Farbsymbole entwarf.

Quellen

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