Ein Renaissance-Deck mit historischen Namen
Anders als die vertraute Folge der Großen Arkana, die überwiegend von allgemeinen Allegorien geprägt ist, zeigen die Trümpfe des Sola-Busca-Tarots Figuren, die mit der antiken römischen Geschichte verbunden werden. Das Deck besitzt die grundlegende Struktur aus 22 Trümpfen und 56 Farbkarten, die vielen Lesern bekannt ist, entwickelt mit seinen Bildern aber eine eigene Erzählwelt.
Das macht das Deck nicht zu einem einfachen illustrierten Lehrbuch der römischen Geschichte. Die Identifizierung einzelner Figuren und ihre Verbindung mit historischen Personen sind kunsthistorische Deutungen, die sich auf Objekte und Inschriften stützen müssen. Die Karten laden zum Vergleich ein, erklären ihre Symbolik aber nicht immer selbst.
Warum die Vollständigkeit wichtig ist
Viele frühe Decks sind nur teilweise erhalten. Ein vollständiger Satz ermöglicht es, Trümpfe, Hof- und Farbkarten gemeinsam zu untersuchen, statt das Ganze aus verstreuten Fragmenten zu rekonstruieren. Das Sola-Busca-Tarot ist daher ein wertvoller Vergleichspunkt für andere Decks der Renaissance und spätere Tarottraditionen.
„Vollständig“ bedeutet jedoch nicht „unverändert“ oder „allgemeingültig“. Das erhaltene Objekt zeigt, was ein Hersteller geschaffen hat; es beweist nicht, dass alle früheren oder späteren Decks dieselbe Folge oder dieselben Bedeutungen hatten.
Ein vorsichtiger Blick auf das Vermächtnis
Historisch bedeutsam ist das Sola-Busca-Tarot, weil es ein vollständiges Renaissance-Deck mit ungewöhnlich konkreter Bildsprache bewahrt. Die Datierung bleibt eine Interpretation der Inschrift; auch die erzählerischen Bezüge sind Gegenstand kunsthistorischer Forschung. Die angemessene Schlussfolgerung ist zugleich zurückhaltend und bemerkenswert: Spätestens im späten 15. Jahrhundert gab es mindestens ein vollständiges Tarot, dessen Trumpffolge eine bildreiche Welt jenseits allgemeiner Farbsymbole entwarf.
Quellen
- The Metropolitan Museum of Art, „It’s in the Cards“, Sammlungsessay.
- British Museum, Sola-Busca-Tarotdruck, Sammlungseintrag und Hinweis zur Datierung.